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Chronik der Firma Schwöppe

 

Chronik der Firma Schwöppe verfasst von Heinrich Johannes Schwöppe anlässlich des 200-jährigen Firmenjubiläums der Fa. Schwöppe Moden im Jahre 2000.
 
Die Chronik unserer Sippe:

Heinrich Schwöppe, Schneidermeister * 1776 +1850
Heinrich Johann Schwöppe, Schneidermeister * 1812 +1891
Heinrich Johann Schwöppe, Schneidermeister * 1843 +1930
Anton Schwöppe, Schneidermeister * 1871 +1962
Heinrich Johannes Schwöppe, Schneidermeister * 1923 +2001
Antonius Heinrich Schwöppe, Handelsfachwirt * 1962
Felix Schwöppe, * 1997



Zu den einzelnen Generationen...



Heinrich Schwöppe, geboren 1776, 

mein Ur-Ur-Ahnen-Stamm aus dem Uelgen-Ort, (Uelgen-Ort ist plattdeutsch und heißt Oertlinger-Ort), genauer aus dem Kotten vom Bauer Oertlinger, dem Heuerhaus. Der Name Oertlinger-Ort ist heute eine Flurbezeichnung in der Bauerschaft Hardensetten, welche zu Bad Laer gehört. Der Kotten soll zwischen dem Bauern Oertlinger und dem Bauern Knüfker gestanden haben. Er hatte nach uns noch 1-2 Nachpächter. Im Zuge der Verkoppelung mit der Flurbereinigung in den Jahren 1950/1960 ist diese Stätte unkenntlich gemacht. Wegen Baufälligkeit wurde der Kotten abgebrochen.
Wo er das Schneiderhandwerk gelernt hat, ist uns leider unbekannt. Bekannt ist jedoch, dass er seinen Beruf im Jahre 1800 selbständig ausgeübt hat.



Johann-Heinrich, geboren 1812, 

er soll von Gestalt aus eher klein gewesen sein. Darum hatte er den Beinamen „Männken-Schnieder“ (Männken-Schneider). Er soll mit seinem Bügeleisen in der Hand lediglich 99 Pfund (49,5 Kilogramm) auf die Waage gebracht haben. Trotz seiner Mini-Statur muß er sehr fleißig gewesen sein. An der Kesselstraße in Laer, neben der alten Post „Westmeyer“ erwarb er seinerzeit das kleine Haus; im Volksmund als „Quasburg“ = Querburg bezeichnet, weil es längs zur Straße und quer zum Nachbarhaus steht, dieses aber mit der Giebelseite die Straße flankiert. Heute befindet sich das Büro der V.G.H. Versicherung in diesem Haus. Zu erwähnen bleibt, dass die Häuser an der Kesselstraße in früherer Zeit alle Beinamen hatten.
Nach dorthin umgezogen, führte er noch andere Berufe aus. Er war als Techniker und Mechaniker sehr begabt und wartete mehrere Jahre die Kirchturm-Uhren. Mein Vater hat ihn noch gut gekannt. Er hatte ein Wort für „Fünfe“. Wenn er hinter einer verschlossenen Tür stand, konnte er den Leuten Furcht einflößen. So ihn die Leute aber zu Gesicht bekamen, war natürlich alle Scheu vorbei. (Mini-Statur). 



Johann-Heinrich Schwöppe, geboren 1843, 

auch er erlernte das Schneiderhandwerk. Über der Haustür ließ er ein hölzernes Firmenschild anbringen mit der Aufschrift: 



H E I N R I C H S C H W Ö P P E 

Schneider und Mützenmacher,
Er arbeitete mit seinem Vater zusammen, auch außerhalb der eigenen Werkstatt, in den Häusern und nach den Wünschen seiner Kundschaft. Wie es damals Brauch war, mit Hand, Nadel und Faden.
Entlohnt und bezahlt wurde nach folgender Währung:
1 Reichstaler, = 3 Mark in einem Goldstück,
1 Reichsmark, in einem Goldstück,
1 Kassemännken,= 25 Pfennig in einem Messingstück, etwas größer als der heutige Groschen mit der Zahl 25,
1 Groschen mit der Zahl 10 in einem Messingstück,
1 Sechser, = 5 Pfennig = ½ Groschen,
1 4 Pfennig Stück, aus Kupfer,
1 2 Pfennig Stück, aus Kupfer,
1 1 Pfennig Stück, aus Kupfer,

Natürlich erhielten sie Kost und Logis einschließlich.
In diesem kleinen Haus (Quasburg) wurde 1871 mein Vater geboren, sowie seine Brüder, Heinrich 1873, Georg 1875, Mathias 1878, welche alle das Schneiderhandwerk erlernten. Sie arbeiteten zusammen und fertigten Mützen in allen Größen auf Bestellung und in Serie an. Er vertrieb sie auf den Frühjahrs und Herbstmessen in die nahe gelegenen Ortschaften. Hierfür ließ er sich eine Schiebkarre anfertigen, die er als Marktbude umfunktionieren konnte, indem er je seitlich einen Pfosten anbrachte, die er jeweils mit einer Petroleum-Sturmleuchte versah und mit Segeltuch überspannte. Für größere Entfernungen kannte er einige ihm zugewandte Bauern, die auch zu diesen Märkten fuhren und ihn samt Karre und Ware mitnahmen. Vielen seiner Marktkunden war er persönlich bekannt. Diese wussten, dass er zum Ende eines Marktes einen Schlussverkauf veranstaltete, indem er einige seiner Produkte verhökerte. 



Anton Schwöppe, geboren 1871, 

er hat seine Schulentlassung im Jahre 1885 nicht abgewartet. Er besorgte sich eine Lehrstelle in Warendorf mit gut 13 ½ Jahren.
In seinen Gesellen- und Wanderjahren tippelte er ins Rheinland bis zur Schweiz. In Köln wurde er mehrer Jahre heimisch. Er sprach perfekt Kölsch-Plattdeutsch.
Hier erwarb er auch seinen Meistertitel. Mehrere Jahre seiner Ausbildung verbrachte er in der sog. schwarzen Werkstatt, in welcher nur Gesellschaftskleidung, Fracks, Cut’s, Gehröcke und Smokings gefertigt wurden, sowie Bekleidung für katholische Priester, d.h. Soutanen = Referenden (Leibrock) mit 33 Knöpfen, die aber untergeknöpft wurden. Soutanellen mit 7 Knöpfen, auch Talare für Kirchenküster, die im Volksmund spöttisch und lästerhaft als „Heiligenschein“ bezeichnet wurden, sowie auch Roben für Richter.
Nach seiner Rückkehr in seinen Heimatort Laer, erwarb er 1899 ein kleines Grundstück am jetzigen Firmensitz und baute darauf ein Haus mit Werkstatt und kleinem Laden, sowie Stallungen für eine kleine Landwirtschaft. Von diesem Zeitpunkt an hat er keine Aufträge mehr von Kunden angenommen, Fertigungen in deren Heimen auszuführen. Er war nunmehr in der Lage allen, die vornehm gekleidet sein wollten und spezielle Wünsche hatten, in eigener Werkstatt zu bedienen. In dem früheren Kreis Iburg war er auch unter mehreren Beinamen bekannt.
Mit ihm zusammen wohnten in diesem Haus sein Vater, seine Brüder Heinrich, Georg und Mathias. Alle halfen in der Schneiderwerkstatt mit. Sein Bruder Heinrich zog über Berlin nach Dresden, wo er sich als Meister ausbildete. Um den Umsatz in seinem Ladengeschäft zu steigern, verkaufte er auch Haushaltsnähmaschinen. Er vertrieb die Marken „TITAN“ und „MUNDLOS“, die er von der Nähmaschinenfabrik „Mundlos“ aus Magdeburg bezog. Ab 1906 verkaufte er die Marken „TEUTONIA“ und „PHOENIX“, welche er in Bielefeld, bei der Firma „BEAR und REMPEL“ einkaufte.
Damit die Tage nicht zu lang wurden, machten die Schneider auch eine „Schniederfier“ (Schneiderfeier).
Sie begann in der Abenddämmerungszeit als das Sehen zu Ende war, und sich das Anzünden der 2 großen Petroleumlampen, bzw. ab 1914 das Anschalten des elektrischen Lichtes noch nicht lohnte. 



Zu mir, Heinrich Schwöppe, geboren 1923,

am 03. Mai 1948 habe ich meine Meisterprüfung abgelegt. Es war der zweite Meisterkursus nach dem Kriege. Schon einen Monat später wurde ich mit der Währungsreform konfrontiert und hatte die notwendigen Maßnahmen abzuwickeln. Mein Vater ärgerte sich sehr, dass er bei beiden Inflationen, 1923 und 1948, sehr viel Geld verloren hat. Bald darauf habe ich das väterliche Erbe übernommen. Kurz nach dem Krieg explodierte das Schneidergewerbe in Laer. Es gab annähernd 20 selbständige Betriebe.
Um unseren Betrieb aufrecht zu erhalten, produzierten wir Arbeitsfausthandschuhe in großen Mengen, welche ich an andere Geschäfte in den Gebieten vom Oldenburger Land bis zum Möhne-See und von Braunschweig bis zur Holländischen Grenze durch 2 Vertreter verkauft habe.
Unser Haus entsprach nicht den Erfordernissen unserer Zeit. Wir mussten bauen. Nachdem wir im Jahre 1964 eine Ausweich-Bleibe im alten Haus Schulte im Hof, in Laer, - der jetzigen Kur-Apotheke – gefunden hatten, haben wir neu gebaut. Die gesamte Hauslänge wurde Schaufensterfront. Alles das hätte ich nicht aufziehen können, wäre meine Frau nicht gleicher Meinung gewesen und hätte nicht mit mir zusammen am gleichen Strang gezogen. Durch den Straßenausbau der Iburger Straße, mussten wir das einst erworbene Haus Budke der Gemeinde überlassen und bekamen dafür durch die Gemeinde vom Aussiedlerhof Tiemann eine zusätzliche Fläche von 1000 m² an unser Geschäftshaus. Daher konnten wir unseren Laden im Jahre 1984 auf die jetzige Größe erweitern.
Ich erinnere mich, dass ich als Junge im Rahmen einer Schniederfier auf Großvaters Knie gesessen habe und er mir erzählte, dass auch er als kleiner Junge auf seines Großvaters – dem Gründer - Knie gesessen habe, und dieser ihm Gruselgeschichten aus der damaligen Zeit erzählt habe.
Meine Ausführungen sind mir bekannt durch Überlieferungen von meinem Vater und vom Großvater, welche die Informationen ihrer Vorfahren weitergegeben haben. 



Antonius Schwöppe, geboren 1962, 

nach der Schulentlassung im Jahre 1978 war es schwer eine Lehrstelle als Schneider zu bekommen. Deshalb besuchte er die 2-jährige Handelsschule in Osnabrück am Schölerberg. Danach absolvierte er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in einem renommierten Osnabrücker Kaufhaus, wo er nach erfolgreichem Lehrabschluss auch als Kaufmann tätig war. Hieran anschließend ließ er sich als Bekleidungsfertiger in Halle Westfalen ausbilden.

 

Blue Flower

2017  Schwöppe Moden in Bad Laer